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Kategorie: Musik

[MdM Juli] Mala in the Boiler Room

Nach zwei sehr rocklastigen [MdM] der letzten Monate geht es im Juli in eine ganz andere Ecke:

Wobble-wobble, toil and trouble! amps may burn and speakers bubble!

math_02Ohne Mala keine Digital Mystikz. Ohne Mala keine dmz. Ohne Mala kein Dubstep. Keiner dieser Punkte ist übertrieben.
Mitte der 2000er erhielt Dubstep rund um London Auftrieb. Tausende kamen zu den zweimonatigen Veranstaltungen wie eben der „dmz“ im Londoner Mass Club in Brixton. Die junge Musikrichtung geriet schnell auf das Radar von BBC-Hosts wie Marie Ann Hobbs. Der Pivotmoment für Dubstep war erreicht. Schon bald waberten bass-satte Klänge auch durch den Äther.

„Meditate on Bass Weight!“ war eine frühe Losung des Dubstep. Dank der satten Bässe und den angenehmen 70bpm ist die Musik zwar im Hintergrund, aber man bekommt jede Änderung der Stimmung mit.

Boiler Room

Für mich ist Mala „Musik des Monats“, weil sich zu seinem Boiler Room Set ( SoundCloud) sowohl entspannen als auch arbeiten lässt. Das 64 Minuten lange Set fasst viele gute Klänge des Dubstep zusammen: Sphärische Klänge wie in einer Tropfsteinhöhle, Echos, die in endlosen Weiten verschwinden, dumpfe base drums und feine snares und sehr tiefe Bässe. Deren Amplitude schwingt häufig und erzeugt den typischen „wobble sound“. Ein guter Freund (und Fixie-Enthusiast) sagte mal zu mir: Wer frühen Dubstep machen will, braucht nur zwei Regler: Einen für die Frequenz des Bass und einen für die Schwingung seiner Amplitude.

Rund um 2010, als in zum ersten Mal in Kontakt kam mit Dubstep, war das Genre schon reich an Subgenres. Trap oder BroStep fehlten aber noch (gut so, wenn man mich fragt). Mein erster Dubstep-Track war „Haunted“ von den Mystikz ( SoundCloud), ein zugegeben sehr, sehr simpel gestrickter Track, der mich aber bis heute im Bann hält [haunted eben ;)].
Das Dubstep-Duo meiner Wahl wurde sehr schnell Cutline aus Bristol. Empfehlenswert sind definitiv deren UKF-Podcasts. Aber spätestens seit 2014 gerieten beide in den Sog der amerikanischen EDM-Bewegung, die auch Skrillex groß gemacht hatte. Was lernen wir daraus? Dubstep ist mehr als einfach ein Mikrofon in einer voll automatisierten, voll roboterisierten Fertigungsstraße. Dubstep kommt aus dem Dub und Mala hält für diese Wurzeln die Fahne hoch.

Also gönnt Euch das Set. Statt einer „Kling wie…“-Auflistung gibt es dieses Mal eine Auflistung der fettesten und prototypischsten Drops im Set:

[MdM Juni] Adebisi Shank

von langen Bandnamen zu langen Albumtiteln…

math_01Ich liebe die irische Math-Rock-Band „And So I Watch You From Afar“ (Bandcamp-Profil). Fetzig, innovativ und vor allem herrlich reich an verschiedenen und abwechselnden Rhythmen. Math rock eben.

Seit einigen Jahren liegt es bei vielen Rock-Bands, vom Metalcore bis hin zum Post-Rock, im Trend, sich lange (und nicht immer sinnvolle) Bandnamen zu geben: „We Butter the Bread with Butter“, „If Trees Could Talk“. Zweisilbig wie „Mo-by“ ist ja voll Neunziger…
Die Trancecore-Band „His Statue Falls“ kommentiert das sarkastisch mit ihrem Track (einatmen, los geht’s) „Does Any Of You Guys Know Why For God’s Sake Every Band On Earth Gotta Have Long Songtitles“ ( youtube). Trancecore kam dank eines fantastischen Menschen auf meinen musikalischen Horizont, vielleicht werde ich dazu an anderer Stelle schreiben.

Neben ASIWYFA liebe ich auch mein Fahrrad und meinen .mp3-Player. In Kombination mit sommerlichen Temperaturen verbringe ich viele Stunden Musik hörend auf dem Fahrrad. Auch wenn ASIWYFA auf dem Fahrrad gut nach vorne geht habe ich mich für neuen, ähnlichen Sound interessiert. Und da mir Spotify aus datenschutzrechtlicher Sicht nicht liegt ist der matching-Algorithmus meiner Wahl tastekid (Link). Vorhang auf für Adebisi Shank…

This Is The Second Album Of A Band Called Adebisi Shank

Die dreiköpfige Combo Adebisi Shank stammt(e) aus Irland. Wer also denkt, dass Iren nach x Bier nur noch zu U2 oder „I’m shipping out to Boston“ von den Dropkick Murphys hin und her schunkeln kann, unterschätzt die grüne Insel und ihre Bewohnerinnen! Oder wie es der Musikhandel jpc ausdrückt:

Adebisi Shank sind eine elektrische, laute Band aus Irland, die unter Beweis stellt, dass Irland an der künstlerisch-experimentellen Front über so viel mehr Power verfügt als die unter dem Deckmantel des Benefiz operierende Geldmaschine U2.

Die Band geriet an die üblichen Verdächtigen: Richter Collective, später Sargent House. Beides in den Fußspuren von ASIWYFA.
2008 erschien „This Is the Album of a Band Called Adebisi Shank“, 2010 gefolgt von… na, wer errät es?… genau!… „This Is the Second Album of a Band Called Adebisi Shank“. Das dritte und leider letzte Album hieß dann folgerichtig…

Klar, vorrangig ist Adebisi Shank eine Math Rock-Band. Aber sie schaffen es, Electro und Post-Rock, Heavy Metal und -haltet Euch fest- dem Sound der Neuen Deutschen Welle zu mischen.
So könnte der Track „(-_-)“ durchaus ein Intermezzo auf einem Daft Punk-Album sein. Und „Century City“ könnte ebenso gut von Palais Schaumburg („Wir bauen an einer Stadt“, youtube) aus den 80ern/90ern stammen.

Wie immer zuletzt: Adebisi Shank klingen wie…?

  • definitiv Math-Rock-Granden wie And So I Watch You From Afar
  • gitarrenverstärktem experimentellem Electro à la Ultraísta

So oder so: Ich habe die Band lieb gewonnen und habe endlich mehr Mukke, deren Energie auf dem Fahrrad eins zu eins in die Waden übersetzt wird.

 

 

[MdM Mai] Samavayo – Dakota

Rein in die Stahlkappen-FlipFlops, Zeit für Stone Rock!

stoneAuf Samavayo war ich 2005 nach Erscheinen ihres Albums „One Million Things“ aufmerksam geworden. „Wait“ (tape-tv-Musikvideo) ist ein super Einstieg. Auch wenn es der iranstämmige Sänger Behrang Alavi immer prima schafft, aus balladigen Passagen zur Bäm-auf-die-Fresse-Attitüde zu wechseln: Für mich liegt der Reiz in Samavayo in der richtigen Prise des Spiels mit verrückten Akkorden, verrückten Tempi und verrückten Mischung all dieser Elemente in fetzigen 240 Sekunden.

Erwähnt werden sollte aber auch der Track „Tehran Girl“ . Nicht nur musikalisch eine willkommene Einbettung von arabischen Harmonien und Klängen in das Genre Stone Rock. Auch politisch ist der Song ein Hingucker. Die Widmung bei der Erscheinung 2008 lautete „our contribution to support the Iranian freedom movement“ und der Text hat traurigerweise an Aktualität nicht verloren.

Dakota

Kurzum, ich hatte die Band seitdem auf dem Radar. Obwohl die Band inzwischen nur noch neben Sänger Alavi aus den Brüdern Andreas (Bass) und Stephan (Drums) Voland besteht komprimiert das Trio weiterhin ordentlich Energie in ihren Songs. Im Mai 2016 erschien nun endlich ihr 5. Studio-Album: Dakota

Die Band selber beschreibt die Besonderheit ihres Sounds:

The special thing about Dakota is the mix of 70s and 90s rock sound that combines progressive instrumental parts and heavy mosh parts with oriental elements and unusual rhythms.

Indeed, indeed! Der Titeltrack Dakota ist ein 7-minütiges Feuerwerk im 5/4-5/4-3/4-Wechsel. Versuch mal dazu zu moshen! Manche Abschnitte erinnern an den energiegeladenen Sound von Black Sabbath, wieder andere dank des mehrstimmigen Gesangs an das erste Tool-Album Opiate.

Intergalactic Hunt

Der zweite Track, den ich herausgesucht habe, ist „Intergalactic Hunt“. Der gehört tatsächlich in die Kategorie „Auf-die-Fresse-Stone-Rock“. Natürlich hat mich das Motiv mit der Betonung 1-2,4-5… [ok, ich hab echt grade versucht, das irgendwie technisch-schön auszudrücken, aber bekomme es nicht auf die Reihe.] Hört es Euch an, das Motiv bringt auf jeden Fall die reizende Mischung zwischen atypischen Rhythmen und bratzig-schlecht-gelauntem Rock auf den Punkt.


Abschließend: Wem Samavayo gefällt, der oder die wird auch folgende Steine genauer unter die Lupe nehmen wollen: Audioslave (Show me how to live ), Cancer Bats (mehr in Richtung MetalCore, Breathe Armageddon ) aber natürlich auch Samavayos Wurzeln wie Led Zeppelin und Black Sabbath.

[MdM April] Grandbrothers

grand_piano_2Der April gehört dem deutschen Contemporary-Jazz-Duo Grandbrothers.

Im Laufe der vergangenen Woche stieg auf Mixcloud der Mix „Journey into Contemporary Jazz“ des hervorragenden polnischen Cloudcaster Adam Kvasnica auf Platz 1 der Jazz-Charts. Wer Jazz liebt und Kvasnica nicht kennt, dem sei sein Mixcloud-Profil auf jeden Fall ans Herz gelegt.

Am Ende seines 60-minütigen Cloudcasts drang mit dem Titel „Antarctica“ zum ersten Mal der Sound von Grandbrothers an mein Ohr.

Grandbrothers, Lukas Vogel am Notebook und Erol Sarp am Flügel, Debut-Album „Dilation“ (jpc-Link) erschienen im März 2015 beim kleinen Label FILM (Future Is Listening Music) – soweit die Eckdaten.

Minimalistischer Sound

In den vergangenen Beiträgen zu „Musik des Monats“ habe ich immer wieder von „minimalistischem Sound“ gesprochen. Klar, die Instrumentalisierung Klavier plus mechatronische Hämmer, die mit Traverse und Spanngurt am Klavier angebracht sind, legt auch hier wieder „minimalistischen Sound“ nahe.

Dieses Mal sollte die Beschreibung des Sound mehr als nur meine laienhafte, persönliche Meinung sein. Bei der Recherche zu den Grandbrothers stieß ich auf einen Artikel von Felix-Emeric Tota für die FAZ. Darin fand sich eine wunderschöne Beschreibung für „minimalistischen Sound“, die den Zauber der Klangarmut gut einfängt und die ich nicht vorenthalten will.

„[…] das Paradox eines Minimalismus, der Geschichten erzählt, ohne dafür Worte zu brauchen.“

Felix-Emeric Tota über die Grandbrothers, Quelle

Wuppertal, oder: Ta-ta-ta-ta-dadamdamdam-ta …

Statt einer ganzen EP möchte ich hier nur einen Track vorstellen: Wuppertal. Inspiriert vom Wohnort Sarps beginnt der Song mit dem voluminösen Klavierthema. Nach nur einem Takt steigt Vogel mit seinen Hämmern ein: Mal auf dem Holz- oder Metallrahmen des Flügels für Percussion, mal auf den Seiten für einen Cembalo-artigen Sound.

Der Witz dabei ist der Takt: Wuppertal ist im 9/4-Takt.

Und das bringt uns zur abschließenden Frage: An welche Künstler erinnert mich das?
Nun ja, an sehr viele!

  • intelligent dance music (IDM) wie Moderat
  • das Projekt Bi-polar von Blüchel & von Deylen (Schiller) ( „Etoile polaire“)
  • Archie Pelago ( „Navigator“)
  • klar, Trio ELF ( „746“ – hammer Track!)
  • Bugge Wesseltoft & Laurent Garniers Platte „Duo“ ( „Duo“, nicht vom komischen Sound in den ersten Sekunden stören lassen)
  • und sogar stellenweise an Fritz Kalkbrenner

[MdM März] Marian Hill – Play EP

lips

Und wiedermal steht ein extended player auf dem Siegertreppchen für den Titel „Musik des Monats“: Das junge, amerikanische Duo Jeremy Lloyd und Samantha Gongol, zusammen „Marian Hill“, verbinden Blues, Jazz und Heavy Bass zu einem wunderbaren Sound.

Fünf Songs, 2013 erschienen – und seit zwei Wochen auf Soundcloud nicht mehr aus Deutschland abrufbar (Grrrr…)

Dennoch verdient jeder Song ein paar Zeilen:

  • One Time: Der langsame Track erinnert mich mit seinem minimalistischem Aufbau an Usher’s „Good Kisser“. Besonders gefallen mir die Trompeten/Alt-Sax-Riffs und das Vocoder-Solo
  • Play: Das Sternstück der Platte. Erneut zeigt das Duo Lloyd/Gongol ihre Kunst im Vocoder-Solo. Derbe empfehlenswert! ( )
  • Lovit
  • Whiskey: Whiskey wird von Gongols feinen Stimme und Lloyds „Heavy Bass“-Ader definiert
  • Breathe into me: Portishead, Belleruche/Kathrin de Boer treffen auf (haltet Euch fest) Trap-Beats!  Der letzte Track der EP bildet dank leichtem Hall, dezenter Melodie aber sattem Bass und guten Hi-Hats einen schönen Abschluss.

Wenn ich in den nächsten Tagen einen Weg finde, an die Titel trotz Regionalsperre ranzukommen, gibts einen Nachtrag.

[MdM Februar] Ben Khan – 1992 EP

speakerWer von den dark hip hop Sounds von Künstlerinnen wie Banks , The Weeknd oder manchem Lorde-Track angetan ist – dem oder der wird Ben Khan gefallen.

Der vierteilige extended player „1992“ beginnt mit „Youth“: Lockere Drum-Akzente, ein Keyboard-Riff wie ein summender Hummelschwarm und der 90er-Gitarren-Sound machen den Track zu einem Kandidaten für den Intro-Song eines Miami-Vice-Remakes.

Savage“, der zweite Track, ist aber eine ganz andere Nummer. Schwere Bässe und eine Melodie, die minimal von einem fetten Sound zwischen Hörnern und Synthesizer getragen wird. Der Hummelschwarm aus „Youth“ war fleißig und liefert einen zähen zweiten Track, zu dem sich einfach gut mitnicken lässt.

Und das war noch nicht alles! „Eden“, Nummer 3 von 4, erinnert mich im ersten Moment an Bilderbuch oder eine etwas hiphop-lastigere Version von Ultraìsta. Leider ist der Track mit 2:41 sehr kurz.

Khan wurde mir von einer guten, guten Freundin (die gerade im 7. Monat schwanger ist – whoop-whoop! ) empfohlen.